Strukturen des Privaten

Die Suche nach Strukturen des Privaten zeigt eine Grundthematik auf, die in der künstlerischen Position von Sanda Heinz unterschiedlich verhandelt wird. So stehen Parameter des Individuellen und oftmals Häuslichen, die sich im Verschwinden und Wandel befinden, ebenso wie das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit sowie Strukturhaftigkeit im Fokus der Betrachtung.

Dabei sind Textilien immer auch Erinnerungsträger des Einzelnen, Materialien der Einschreibung und Speicher der Zeit. (…)

Sandra Heinz macht in ihren Arbeiten das Textile nicht zum Malgrund, sondern konstituiert ihre Arbeiten aus der Stofflichkeit. Aus einem Gebrauchsstück wird durch das gewählte künstlerische

Verfahren ein Kunststück. Hierbei lässt sie stoffliche Strukturen malerisch erscheinen, bildet die Formgebungen von Kleidungsstücken in Materialdrucken und Frottagen ab, vernäht Kleider in Zierstoffe und scannt unterschiedliche Handarbeiten digital, wobei sie die ursprüngliche Haptik der Spitzendeckchen in graphische Strukturen transformiert und in einen großformatigen ornamentalen Kontext bringt.

So greift Sandra Heinz in ihren Arbeiten systematisierende, konzeptionelle Aspekte auf, verbindet sie in ihrer Vorgehensweise aber stets mit einem Aspekt des Persönlichen, Privaten und oftmals

nahezu Intimen. Die Verformung der Textilien löst eine abstrahierte Betrachtungsweise seiner Strukturen aus. Techniken des Einnähens, Scannens, Bemalens, Bestickens oder des Materialdruckes spiegeln und evozieren diesen Prozess der Abstraktion. Hierbei spielen Stoffstrukturen, ornamentale Muster von Handarbeiten, Unregelmäßigkeiten des eigenhändig Gefertigten und die sozialen wie oft auch geschlechtlich codierten Zuschreibungen des Häuslichen immer eine Rolle in der Konstitution und Lesart ihrer Arbeiten. Somit überlagern sich unterschiedliche Ebenen, nicht nur auf stofflicher Basis, sondern auch in der inhaltlichen Deutung des künstlerisch dichten

OEuvres von Sandra Heinz und verorten Strukturen des Privaten auf eigene Weise, die neue, haptisch-taktil assoziierte Wahrnehmungen des Rezipienten hervorrufen können.

Julia Katharina Thiemann (Auszug Kat.: Hrsg.: Städtische Galerie Villa Streccius, Landau 2015)

RAumansicht

Fotos Bildergalerie: W.Claus

Über Sandra Heinz

1962 in Burbach geboren


1981-87 Studium der Bildenden Kunst und Theologie an der Universität Siegen
Abschluss 1. und 2. Staatsexamen
2002-03 Reise- und Studienjahr  Neuseeland / Australien/Indonesien/Mexiko
2008-09 Lehraufträge an der Universität in Augsburg und der Akademie in München

 

Weiter Infos unter: www.sandraheinzblog.com

Kunstpreise
2019 Projektunterstützung der Stadt Mainz für ein Austauschprojekt mit der
Partnerstadt Zagreb
2018 Stipendium der Partnerregion Bourgogne-Franche Comté
2013 Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz für die Cité Internationale des Arts, Paris
2012 Stadtdrucker-Preis, Mainz
2008 Austauschstipendium Belem/Brasilien, Ausstellungsstipendium,
Goetheinstitut Arequipa, Peru
2004 Kunstpreis Mainz 05
2002 Projektunterstützung ‚moving spaces’ Goetheinstitut Wellington und
Ministerium für Wissenschaft  und Kultur Rheinland-Pfalz
2000 Katalogstipendium des Kulturfonds Mainzer Wirtschaft
1998 Graphik-Kunstpreis der Stadt Bühl


Werke in öffentlichem Besitz und Sammlungen
Deutschland: Stadt  Mainz / Stadt Wiesbaden /  Fluxus-Sammlung Ute u. Michel Berger, Wiesbaden /  mak Frankfurt / Stadt- & Universitätsbibliothek, Frankfurt  /  Staatliches Museum für angewandte Kunst, Die neue Sammlung, München / Klingspor Museum, Off enbach / Bayerische Staatsbibliothek, München  /  Sächsische Landesbibliothek, Dresden /  Weserburgmuseum Bremen / Österreich: MAK, Wien / Niederlande: Museum Van het boek, Meermanno-Westreenianum, den Haag / Frankreich: Centre Pompidou /  Documentation génerale MNAM, Paris  /  Bibliothèque Nationale de France (Cabinet des Estampes), Paris / Artothèque Municipal d’ Amiens  /  Bibliothèque Municipal de Saint-Quentin