„Nimmt man sich Zeit und verlässt dazu die vertrauten Wege des Erkennens, öffnen sich ganz eigenwillige Bilder, die von der Natur und ihrer im Prinzip kaum zu erfassenden Dimension berichten. Sie lassen etwas zutage treten, das sonst nicht sichtbar ist, da es die unüberschaubare Veränderbarkeit von Natur benennt. Deutlich wird dies insbesondere in Melanie Wioras Video ‚Turmoil‘ (Aufruhr) von 2018, das eine turbulente Wasseroberfläche zeigt, die im Film durch eine spezielle Technik zu einem dramatisch verlangsamten Zeitdokument verändert ist.

Wasserrauschen, Wind und stellenweise Sinustöne sind dem Film künstlich unterlegt und entführen in eine vertraute und zugleich seltsam fremde Welt, die Ahnungen von Urzeitlichkeit und Erdgeschichte heraufbeschwören.

Alle Arbeiten aus der Serie ‚Natura‘ berichten von dieser Gewalt und Kraft der Natur und ihrem kontinuierlichen Wandel, der sich im Austausch zwischen fest und flüssig oder gasförmig erahnen lässt. Entsprechend spricht Wiora selbst von der ,Natur der Natur‘, die uns in ihren Arbeiten begegnet.

In ihrer Fotoserie ‚Eyescapes‘ fixiert Wiora die Spiegelungen der Umgebung auf ihrem eigenen, meist linken Auge. Seltsamste Ansichten der Welt sind auf diese Weise entstanden, alle durch die Wölbung des Auges verzerrt, oftmals durch sich spiegelnde Wimpern begrenzt und regelmäßig auf ein großes Format übertragen. Wenn man so will, liegt in diesen Bildern die Welt im Auge der Künstlerin. Und diese ermöglicht über ihren Blick, die Landschaften mit eigenen Erinnerungen zu füllen. Sie laden dazu ein aufgrund ihrer absichtlichen Offenheit, die viel Spielraum lässt für die Fantasie der Betrachter. Gleich den ‚Natura‘-Arbeiten stellt sich immer wieder die Frage nach dem, was da zu sehen ist, um es mit dem Pool eigener Kopfbilder abzugleichen und mit Inhalten zu füllen. […] Melanie Wioras Bilder lenken die Sinne auf eine tieferliegende oder auch vielleicht reinere Ebene des Sehens und Verstehens, auf der sich die Dinge nicht im Kostüm der Alltäglichkeit zur Schau stellen. Das, was die Künstlerin für die Betrachtung freigibt, erscheint fremd und neu, da es sich absichtlich nicht schnell vereinnahmen oder auch konsumieren lässt. […] Es ist diese ,innere Sicht‘, gekoppelt an die Frage, wie ein verändertes Bild der Welt mehr über das Motiv vermitteln kann, als lediglich sein naturgetreues Abbild, die Melanie Wiora konsequent verfolgt.“ (Christian Krausch)


Über Melanie Wiora

*1969 in Waiblingen, lebt und arbeitet in Köln


2001 – 2002 Postgraduiertenstudium Medienkunst, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
1997 Studienaufenthalt University of Wollongong und Sydney, Australien
1990 – 1996 Kunststudium Malerei/Grafik, Kunstakademie Karlsruhe

 

Stipendien und Preise
2017 Finalistin „Gabriele Münter Preis“
2015 Art-Regio Projektförderung der SparkassenVersicherung
2013 Fotografiepreis „Sehen im Fokus“, Stiftung Auge
2012 Stipendium Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
2006 DAAD-Stipendium, London, England
2004 1.Preis, Digital New Art Award, „Plug Out“
2004 Stipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
2003 DAAD-Stipendium, New York City, USA
2002 2. Preis, Saar Ferngas Förderpreis „Junge Kunst 2002“

Ausstellungen (Auswahl)
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (2020,E); Städtische Galerie Eichenmüllerhaus, Lemgo (2019,E); Städtische Galerie Waldkraiburg (2019,K); Museum Kunstpalast, Düsseldorf (2019); Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg (2018,K); Akademie der Künste Berlin (2017,K); Galerie Up Art, Neustadt an der Weinstraße (2016); Kunstverein Eislingen e.V. (2015,E,K); Städtische Galerie Kaarst (2014,E); Neuer Kunstverein Paderborn (2013,E); Altana Kulturstiftung, Bad Homburg (2012,K); Kunstverein Villa Streccius, Landau (2012,K); Nest, Den Haag, Niederlande (2011,K); Hohenloher Kunstverein (2011,E); 7th Biennale of Photography, Poznan, Polen (2011,K); Galerie Christa Burger, München (2010,E); Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken (2010,E); Centro di Cultura Contemporanea Strozzina Palazzo Strozzi, Florenz, Italien (2009,K); Haus d. Kunst der Stadt Brünn, Tschechien (2009); Gerisch-Stiftung, Neumünster (2008,K); Essenheimer Kunstverein (2008,E); Fotoforum West, Innsbruck, Österreich (2007,E); Junge Kunst e.V., Wolfsburg (2007,E,K); Brotfabrik Galerie, Berlin (2006,E); Kunstverein Trier (2006,E); Goethe Institut Casablanca, Marokko (2005,E); Galerie Andreas Greulich (2005,E); Hospitalhof Stuttgart (2005,E,K); Haus der Kunst, München (2004,K); Kunstverein Villa Streccius, Landau (2004); Galerie am Großneumarkt, Hamburg (2003,E); 14-1 Galerie, Stuttgart (2003); Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen (2002,K); Württembergischer Kunstverein (2001)